Wiener Diözesangeschichte 1960 - 1996

kanonisch errichtet und für Österreich genehmigt®®), womit die erste und einzige Ordensgesellschaft für den Arbeiterstand ins Leben getreten war. Im selben Jahr noch gründete der Stifter der (Missions-)„Gesellschaft des Göttlichen Wortes", P. Arnold Jannsen, das Mis sionshaus St. Gabriel bei Mödling®^), wodurch nicht nur die Missionsförderung in der Erzdiözese einen mächtigen Auftrieb erhielt, sondern bald auch wert volle Mitarbeiter in der diözesanen Seelsorgsarbeit gewonnen wurden. 1884 gründeten die Jesuiten ihr Männer-Exerzitien haus in Lainz(Wien XIII.)®'^), das bis heute ein leben diger Mittelpunkt für Priester- und Laienexerzitien geblieben ist. Die Redemptoristen gründeten 1889 ihr Kollegium in der Wichtelgasse in Hernais (Wien XVri.)®®), dem 1937 dann die Marienpfarre angeglie dert wurde. Die Kongregation der christlichen Schul brüder, die seit ihrer Zulassung in Österreich 1857 höchst verdienstvoll das große Waisenhaus im IX. Be zirk (heute Priesterseminar in der Boltzmanngasse) und seit 1880 das mächtige Knabenwaisenhaus „Norbertinuin" des katholischen Waisen-Hilfsvereins in Preßbaum/Tullnerbach (heute LLehrA Nö. etc.) schulisch und erzieherisch betreute, erweiterte ihr seit 1886 bestehendes Noviziat und sog. Scholastikat (Präparandie) in Strebersdorf (Wien XXI., heute Provinzu. Bildungshaus „Marienheim" u. Ordensgemeinde „St. Josef"), so daß 1889 bereits an die siebzig Jüng linge von vierzehn bis neunzehn Jahren ihre religiöse und pädagogische Ausbildung genossen. Nun wurde im Diözesanblatt um Beiträge zur Vergrößerung ihres Hauses in Fünfhaus (Wien XV, Tellgasse) und in Preßbaum aufgerufen®"*). 1889 wurde die Kongregation „Unsere Liebe Frau von Sion" in Wien VII, Burggasse eingeführt®®), über nahm der Orden der unbeschuhten Karmelitinnen die „Franz Josefs-Stiftung" (Todesstätte des unglück seligen Kronprinzen Rudolf) in Mayerling bei Alland, Nö. und richtete dort ihren Konvent zum hl. Josef ein®®). Andere Schwesternkonvente erweiterten ihre Institute, so die Dominikanerinnen in HütteldorfHacking 1884 durch die große Kapelle®'), die Ursulinen 1889 durch eine Filiale in Währing (Gentzgasse, heute nach Mauer Wien XXIII, verlegt®®), die sog. Hartmann schwestern durch ihren Spitalbau®®), das „Vincentinum" im Kloster der Schwestern vom armen Kinde Jesus in Döbling (Wien XIX.)'®®) u. s. f. Auch bedeutende Beitragsleistungen für andere kirchliche Werke in der Erzdiözese und für Kirchen und kirchliche Institute in der ganzen Monarchie, ja darüber hinaus in Europa und im Orient, d. i. in Bosnien und Herzogewina, in der Türkei und im Hl, Lande wurden durch ständige Sammlungen und auch durch Lotterien aufgebracht, wie die Jahrgänge des Wiener DiöZesanblattes und andere Berichte registrier ten. Hier sei gleich erwähnt, daß Erzbischof Gangi bauer die durch großmütige Spenden der rheinländischen Industriellenfamilie Krupp und der Metall warenfabrik Schneller & Co. erbaute Kirche in Bern dorf a. d. Triesting am 2. September 1883 konsekrieren konnte'®'), während die Erbauung anderer Gottes häuser wenigstens vorläufig durch sich bildende Kirchenbauvereine gesichert werden konnte, und zwar in Weinhaus (Wien XVIII.)'"®),in Hernais(Wien XVII.)'®®), in Gersthof (Wien XVIII.), wofür er schon am 11. Sep tember 1887 feierlich den Grundstein legte'®'), in Breitensee (Wien XIV)'°®), dann in Gablitz bei Pur kersdorf'®®). Selbstverständlich schenkte der Erz bischof seiner Domkirche und dem um ihre Erhaltung und Ausstattung seit 1880 bemühten Dombauverein sein besonderes Interesse, nahm an der jährlichen Generalversammlung teil und ließ die Öffentlichkeit laufend durch „Nachrichten vom Stephansdom" im Amtsorgan der Erzdiözese und anderen Zeitschriften bzw. Zeitungen unterrichten'®'). Auch wurde der Kle rus auf die „k. k. Centraikommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale" aufmerksam gemacht, die zur Überwachung und Vor nahme der Restaurierung von Kirchen und kirchlichen Gegenständen eingesetzt war'®®), und auf die Ausstel lung für kirchliche Kunst im Kunsthistorischen Museum und auf den Kunstverein hingewiesen. Und dies war sicherlich sehr notwendig in der Periode der nicht immer glücklichen Reromanisierung und Regotisierung und weil sich in diesen Jahren die vom Han delsministerium subventionierte Fachschule für kirch liche Arbeiten (Bildhauerei, Faßmalerei, Architektur) in Groden (Südtirol) unter der Leitung Ferdinand Demetz' allenthalben empfahl und auch weithin zum Zug kam'®®). Seitdem der Liberalismus nach seinem Ansturm gegen das Konkordat d. J. 1855 in den Sechzigerjahren schließlich durch seine Maigesetze 1868 seinen antikirchlichen Grundsätzen über Ehe und Schule zum Durchbruch verhelfen hatte, war es klar, daß die Kirche und ihre Getreuen sich damit nicht auf die Dauer abfinden konnten. Denn damit war die Ehe als bürgerlicher Vertrag erklärt und die Gerichtsbarkeit in Ehesachen der Katholiken wiederum den weltlichen Gerichten überwiesen und war vor allem durch das Reichsvolksschulgesetz vom 14. Mai 1869 den Bischöfen die Schulaufsicht genommen, Religion zu einem bloßen Unterrichtsgegenstand herabgewürdigt und die inter konfessionelle, richtiger religionslose Staatsschule geschaffen worden"®). Damit war die Schulfrage eine der Hauptsorgen der Kirche und ihrer Verantwortlichen. Wie sich schon der I. gesamtösterreichische Katholikentag vom 30. April bis 3. Mai 1877 in Wien eingehend damit be faßte und auf Beseitigung des areligiösen Staatsschul systems drängte'"), so steckte sich der Katholische Schulverein, der am 6. Mai 1886 von dem ganz mit der Sorge um die Jugenderziehung erfüllten Arzt Dr. Kaspar Schwarz für Niederösterreich (wozu auch Wien gehörte) ins Leben gerufen wurde, als Ziel, auf verfassungsmäßigem Wege die Herstellung und Siche rung der Konfessionalität der Schule anzustreben"^). Kardinal Gangibauer, der mit Bischof Matthäus Bin der von St. Pölten das Protektorat übernommen hatte, sprach dies deutlich im Aufruf zum Beitritt am 28. August d. J. aus"®). Und noch besser unterstrich dies dann seine Eingabe an das hohe k. k. Gesamt ministerium, die er am 30. Jänner 1888 im Namen des gesamten österreichischen Episkopates einreichte'"). Sogleich sollte aber, wie es die Statuten festlegten, genannter Verein die Gründung und Erhaltung katho lischer (Privat-)Schulen verfolgen, „in denen der lei tende Gedanke des gesamten Unterrichtes die hl. Reli gion ist, in denen daher auch den religiösen Übungen 36

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